Wintergarten Baugenehmigung Baden-Württemberg – Kenntnisgabe, Bauantrag und Zuständigkeit in Ulm

Welches Verfahren die Landesbauordnung für Ihren Glasanbau verlangt, für welche Vorhaben die 30-m²-Grenzen tatsächlich gelten und wer in Ulm die Unterlagen entgegennimmt.

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Redaktion Wintergarten Ulm · Inhaltlich geprüft · Zuletzt aktualisiert: 14.10.2026

Das Wichtigste vorweg: In Baden-Württemberg gibt es für Wintergärten keine Verfahrensfreiheit – das gilt für den beheizten Wohnraum ebenso wie für den Kaltwintergarten. Liegt Ihr Haus in Ulm im Bereich eines qualifizierten Bebauungsplans und widerspricht der Anbau dessen Vorgaben nicht, genügt in der Regel die Kenntnisgabe nach § 51 LBO; ansonsten braucht es einen Bauantrag. Ohne Verfahren entstehen dürfen nur offene Terrassenüberdachungen im Innenbereich und Balkonverglasungen, jeweils bis 30 m².

Maßgeblich ist hier die Landesbauordnung Baden-Württemberg, die im gesamten Stadtkreis und in den württembergischen Nachbargemeinden gilt. Ob Sie einen Wintergarten-Anbau in Ulm planen oder die vorhandene Terrasse einglasen möchten: Am Anfang steht immer die Frage nach dem richtigen Verfahren. Für Bauherren auf der anderen Seite von Donau und Iller gibt es weiter unten einen eigenen Abschnitt.

Welcher Weg passt zu Ihrem Grundstück?

Beschreiben Sie kurz Haus und Vorhaben – wir prüfen den Bebauungsplan und nennen Ihnen den passenden Verfahrensweg.

Wintergarten Baugenehmigung in Ulm: das Prüfschema

Mit vier Fragen lässt sich eingrenzen, ob Kenntnisgabe oder Bauantrag ansteht. Die Reihenfolge ist wichtig, denn schon ein Nein bei Frage zwei oder drei entscheidet die Sache.

  1. Bekommt der Anbau Glaswände auf allen Seiten? Dann handelt es sich um einen Wintergarten – ohne Verfahren geht es nicht.
  2. Gilt ein qualifizierter Bebauungsplan? Er muss nach dem 29. Juni 1961 rechtsverbindlich geworden sein – nur dann ist Kenntnisgabe möglich.
  3. Hält der Entwurf die Vorgaben des Plans ein? Geprüft werden unter anderem Baugrenzen, überbaubare Fläche und Dachform.
  4. Gibt es eine Veränderungssperre? Liegt eine vor, scheidet die Kenntnisgabe aus.

Bereits die erste Frage klärt das Grundsätzliche: Ein echter Glasraum bedeutet Planunterlagen und eine Einreichung bei der Behörde. Beides gehört bei uns zum Projekt und nicht in Ihre Freizeit.

Rundum verglaster Wintergarten-Anbau an einem Wohnhaus in Ulm
Allseitig verglast und mit der Hauswand verbunden – für so einen Anbau verlangt die LBO Baden-Württemberg in jedem Fall ein Verfahren.

Was die LBO Baden-Württemberg ohne Verfahren erlaubt

§ 50 Abs. 1 LBO verweist für verfahrensfreie Vorhaben auf einen Anhang mit abschließender Liste. Einen Wintergarten enthält sie nicht. Für Glas am Haus sind dort zwei Positionen in Nummer 1 wichtig:

  • Für die Terrasse erlaubt Buchst. l ohne Verfahren: „Terrassen und Terrassenüberdachungen im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche, außer Dachterrassen und ihre Überdachungen“.
  • Für den Balkon nennt Buchst. m: „Balkonverglasungen sowie Balkonüberdachungen bis 30 m² Grundfläche“ – interessant für den Balkon-Wintergarten in Etagenwohnungen.

Zitiert nach dejure.org, Anhang 1 LBO in der Fassung ab 28.02.2026; §§ 50 und 51 gelten in der Fassung ab 28.06.2025. Rechtsverbindlich ist allein die amtliche Fassung auf landesrecht-bw.de.

Buchstabe k lassen wir bewusst außen vor: Im selben Katalog stehen „Vorbauten ohne Aufenthaltsräume im Innenbereich bis 40 m³ Brutto-Rauminhalt“ als frei. Ob ein kleiner Kaltwintergarten in diese Kategorie fällt, kann verbindlich nur die Baurechtsbehörde beurteilen. Wir planen deshalb nicht auf diese Ausnahme hin.

Das Kenntnisgabeverfahren nach § 51 LBO

Dieses Verfahren gibt es nur in Baden-Württemberg. Offen steht es unter anderem Wohngebäuden, Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 sowie Nebengebäuden und Nebenanlagen dazu. Voraussetzung ist ein Grundstück im Geltungsbereich eines Bebauungsplans nach § 30 Abs. 1 BauGB, der nach dem 29. Juni 1961 rechtsverbindlich wurde, oder eines Plans nach §§ 12, 30 Abs. 2 BauGB – jeweils ohne Veränderungssperre.

Eine Baugenehmigung erteilt die Behörde hier nicht. Weniger streng wird es dadurch nicht: § 51 Abs. 4 LBO verlangt, dass auch ein Vorhaben im Kenntnisgabeverfahren sämtliche öffentlich-rechtlichen Vorschriften erfüllt (§ 51 LBO, dejure.org). Ein Planungsfehler fällt also nicht bei einer behördlichen Prüfung auf, sondern womöglich erst Jahre später.

Typischer Fall für die Kenntnisgabe in Ulm

Ein Einfamilien- oder Reihenhaus in einem Baugebiet mit qualifiziertem Bebauungsplan, und der Glasanbau bleibt innerhalb der Baugrenzen. Ob für Ihre Adresse ein solcher Plan gilt, klären wir vor dem Entwurf. Für einen Kaltwintergarten gilt dabei exakt dasselbe wie für einen beheizten Raum.

Wann der Wintergarten einen Bauantrag braucht

  • Für das Grundstück existiert kein qualifizierter Bebauungsplan.
  • Der Anbau würde eine Baugrenze überschreiten oder von einer anderen Festsetzung abweichen.
  • Im Gebiet gilt eine Veränderungssperre nach § 14 BauGB.
  • Sie legen Wert auf einen schriftlichen Bescheid der Behörde.

Für den beheizten Wohnwintergarten bleibt das Verfahren dasselbe, weil der Anhang nicht nach Beheizung unterscheidet. Zusätzlich greifen die energetischen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), die wir bei Glas, Rahmen und Unterbau gleich mitplanen.

Wer in Ulm für Ihren Wintergarten zuständig ist

Wo das Grundstück liegtZuständige Stelle
Stadtkreis Ulm, zum Beispiel Söflingen, Wiblingen oder JungingenStadt Ulm – Hauptabteilung Stadtplanung, Umwelt, Baurecht mit Bürgerservice Bauen, Münchner Straße 2, Ulm
Umlandgemeinden wie Blaustein, Erbach oder Langenaudie jeweils zuständige Baurechtsbehörde vor Ort
Grundstücke auf der bayerischen Seitedie zuständige bayerische Bauaufsichtsbehörde (siehe nächster Abschnitt)

Die Stadt Ulm nimmt Kenntnisgabe und Bauantrag digital über ihr Portal bw.digitalebaugenehmigung.de/ulm entgegen. Für die Gemeinden im Umland ändert sich an der Rechtslage nichts – die Landesbauordnung ist dieselbe, nur die Behörde eine andere. Welche Stelle für Ihre Adresse zuständig ist, bestätigen wir, bevor wir einreichen.

Wintergarten auf der bayerischen Seite: kurz erklärt

Bei Ulm bilden Donau und Iller die Landesgrenze. Wer auf der bayerischen Seite baut, plant nach der Bayerischen Bauordnung. Auch dort ist ein Wintergarten, beheizt oder unbeheizt, nicht verfahrensfrei. Ohne Verfahren bleiben nach Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g BayBO nur Terrassenüberdachungen bis 30 m² Fläche, und eine rundum verglaste Überdachung gilt nach verbreiteter Auslegung bereits als Wintergarten.

Für Bauherren jenseits der Landesgrenze: Zuständig ist dann die bayerische Bauaufsichtsbehörde, nicht die Ulmer Baurechtsbehörde, und ein Kenntnisgabeverfahren nach § 51 LBO gibt es dort nicht. Die Angaben zu Bayern beziehen sich auf die BayBO-Fassung ab 01.05.2026.

Wie wir Kenntnisgabe oder Bauantrag für Ihren Wintergarten vorbereiten

  1. Ortstermin: Wir messen Haus und Terrasse und nehmen die Abstände zu den Grundstücksgrenzen auf.
  2. Planungsrecht: Bebauungsplan, Festsetzungen und mögliche Sperren legen fest, welches Verfahren in Frage kommt.
  3. Pläne und Statik: Wind rechnen wir mit Windzone 1, die das DIBt dem Stadtkreis zuordnet; die Schneelast bestimmen wir für Ihren Standort, weil die DIBt-Tabelle für Ulm keine Zone nennt.
  4. Einreichung: Die Unterlagen gehen digital an die zuständige Behörde; Rückfragen beantworten wir.
  5. Baubeginn: Fundament und Montage starten erst, wenn das Verfahren es erlaubt.

Pauschale Angaben zu Gebühren oder Bearbeitungsdauer machen wir nicht, weil beides vom Einzelfall abhängt. An welcher Stelle das Verfahren im Budget steht, erklären wir unter Wintergarten-Kosten; einen Richtwert für Ihr Vorhaben liefert der Wintergarten-Konfigurator.

Montage eines genehmigten Wintergartens in Ulm
Montiert wird erst, wenn die Unterlagen bei der Behörde sind und der Baubeginn feststeht.

Abstandsflächen: Regeln, die immer gelten

Auch was verfahrensfrei ist, muss das öffentliche Baurecht einhalten; das stellt § 50 Abs. 5 LBO klar. Für verglaste Anbauten zählen vor allem die Abstandsflächen (§ 5 LBO, dejure.org):

  • Eine Terrassenüberdachung bleibt außer Betracht, solange sie nicht mehr als 1,5 m vor die Außenwand vortritt (§ 5 Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 LBO).
  • Ansonsten beträgt die Tiefe 0,4 der Wandhöhe, mindestens 2,5 m – bei Wänden bis 5 m Breite mindestens 2 m (§ 5 Abs. 7 LBO).

Wie viel Spielraum bleibt, ist in Ulm sehr verschieden. Zwischen eng gestellten Reihenhäusern in der Weststadt geht es oft um wenige Dezimeter, auf größeren Grundstücken in Mähringen oder Lehr eher selten. Wir rechnen die Abstände vor dem ersten Entwurf nach.

Braucht es die Unterschrift des Nachbarn?

Werden die Abstandsflächen eingehalten und widerspricht der Wintergarten dem Bebauungsplan nicht, hängt das Vorhaben im Regelfall nicht von einer Zustimmung des Nachbarn ab. Unterschreitet der Anbau einen Abstand, ist die Lage anders. Ob das bei Ihnen der Fall ist, zeigt sich nach dem Aufmaß.

Terrassendach nachträglich schließen: was in Baden-Württemberg gilt

Oft steht zuerst eine offene Überdachung bis 30 m², die im Innenbereich ohne Verfahren gebaut werden durfte. Wer sie Jahre später seitlich rundum verglast, hat nach allgemeiner Auslegung in der Regel keine bloße Terrassenüberdachung mehr, sondern einen Wintergarten. Diese Einordnung stimmen wir vorab mit der Baurechtsbehörde ab.

  • Vorausdenken: Ist eine spätere Verglasung denkbar, legen wir Fundament und Statik schon beim Dach entsprechend aus.
  • Unterlagen sammeln: Pläne und Statik der Überdachung erleichtern das spätere Verfahren deutlich.
  • Umbau planen: Den Weg von der offenen Terrasse zum geschlossenen Glasraum beschreibt unsere Seite Terrasse zum Wintergarten.

Anrechnung des Wintergartens als Wohnfläche

Ob der Glasraum als Wohnfläche zählt, entscheidet die Beheizbarkeit. Unbeheizbare Wintergärten gehen nach § 4 Nr. 3 WoFlV zur Hälfte ein. Lässt sich der Raum heizen und misst er lichte 2 m oder mehr in der Höhe, wird seine Fläche voll angesetzt – beim Wohnwintergarten der Normalfall. Nachzulesen bei gesetze-im-internet.de, § 4 WoFlV.

Dieser Ratgeber ist keine Rechtsberatung; verbindlich entscheidet die zuständige Baurechtsbehörde. Rechtsgrundlagen: § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. l und m; § 51 LBO (Kenntnisgabeverfahren); für die bayerische Seite Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g BayBO (Fassung ab 01.05.2026). Stand 2026-10-14.

Wintergarten Baugenehmigung in Baden-Württemberg: Ihre Fragen, unsere Antworten

Brauche ich für einen Wintergarten in Ulm eine Baugenehmigung?

Ein Verfahren brauchen Sie immer, eine Genehmigung im engeren Sinn aber nicht in jedem Fall. In der Liste der Vorhaben, die die LBO Baden-Württemberg freistellt, kommt der Wintergarten schlicht nicht vor. Besteht für Ihr Grundstück ein qualifizierter Bebauungsplan, dem der Anbau entspricht, kommt oft die Kenntnisgabe nach § 51 LBO zum Zug – andernfalls reichen wir einen Bauantrag ein.

Gilt für einen unbeheizten Kaltwintergarten eine Ausnahme?

Nein, auch ohne Heizung bleibt es bei Kenntnisgabe oder Bauantrag, denn die Liste im Anhang zu § 50 LBO trennt nicht zwischen warm und kalt und nennt für Wintergärten keine Flächengrenze. Die oft zitierten 30 m² beziehen sich in Baden-Württemberg ausschließlich auf offene Terrassenüberdachungen im Innenbereich und auf Balkonverglasungen oder Balkonüberdachungen.

Worin unterscheiden sich Kenntnisgabe und Bauantrag?

Beim Bauantrag prüft die Baurechtsbehörde das Vorhaben und erteilt am Ende eine Baugenehmigung. Bei der Kenntnisgabe legen Sie die Unterlagen vor, einen Genehmigungsbescheid gibt es aber nicht. Die Vorschriften gelten trotzdem vollständig, nur liegt die Verantwortung für ihre Einhaltung stärker bei Bauherrschaft und Planverfasser.

Bei welcher Stelle werden die Unterlagen in Ulm eingereicht?

Für Grundstücke im Stadtkreis ist die Stadt Ulm zuständig, und zwar die Hauptabteilung Stadtplanung, Umwelt, Baurecht mit dem Bürgerservice Bauen in der Münchner Straße 2. Eingereicht wird digital über das Portal bw.digitalebaugenehmigung.de/ulm. Für die Umlandgemeinden ist jeweils die zuständige Baurechtsbehörde vor Ort Ansprechpartner.

Darf ich eine Terrassenüberdachung ohne Verfahren bauen?

Ja, unter drei Bedingungen aus Anhang 1 Nr. 1 Buchst. l LBO: Standort im Innenbereich, höchstens 30 m² Grundfläche und keine Dachterrasse darunter. Kommen später Glaswände auf allen Seiten hinzu, wird daraus nach allgemeiner Auslegung in der Regel ein Wintergarten – und der braucht dann sein eigenes Verfahren.

Was gilt, wenn mein Haus auf der bayerischen Seite steht?

Dann plant man nicht nach der LBO Baden-Württemberg, sondern nach der Bayerischen Bauordnung. Auch dort braucht ein Wintergarten, ob beheizt oder nicht, ein Verfahren; frei bleiben nach Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. g BayBO nur Terrassenüberdachungen bis 30 m². Ansprechpartner ist die zuständige bayerische Bauaufsichtsbehörde, nicht die Ulmer Baurechtsbehörde.

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